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Störungen im Forschungsreaktor FRM I (Atomei)

Das Atomei (FRM I) als ältester Atomreaktor in Deutschland (Inbetriebnahme 1957) wurde im Sommer 2000 außer Dienst gestellt. Der größere Nachfolger dieses Atomforschungsreaktors soll nach Wunsch der Bayerischen Staatsregierung im Jahr 2001 in Betrieb gehen. Mittels Kernspaltung werden nicht Energie, sondern Neutronen für Forschungszwecke erzeugt. Neutronen ließen sich jedoch auch ohne Atomreaktortechnik herstellen (Spallationsquelle). Die Verantwortlichen der Atomreaktorstation in Garching bei München weisen in ihrer „Öffentlichkeitsarbeit“ ständig auf einen bisher über 40-jährigen störungsfreien Betrieb des Atomeis hin. Dies entspricht nicht den Tatsachen:

Systematisch erfaßt werden meldepflichtige Ereignisse in deutschen Forschungsreaktoren erst seit Juli 1991. Demnach gab es im Atomei von 1992 bis Herbst 1997 insgesamt 17 Zwischenfälle1). Im April 1997 ereignete sich einer der schwersten Störungen: ein Loch im Primärkühlkreislauf.

Für die Zeit seit Inbetriebnahme im Jahr 1957 bis 1991 sind 5 Störungen öffentlich geworden. Ob es insbesondere in dieser nicht-meldepflichtigen Zeit zu zahlreichen weiteren Störungen oder sogar Störfällen kam, ist nicht bekannt.

Übersicht grenzwertüberschreitender Umweltbelastungen am Forschungsreaktor FRM I (Atomei):

Es sind bis jetzt insgesamt 24 Störungen am Atomei vorgekommen, die uns nachweislich bekannt sind.
Deshalb: Forschung JA - Atomreaktor NEIN
Zeit Ereignis
1979 Entweichen von radioaktiven Stoffen in den Boden wegen undichtem Abwasserkanal durch Wurzeleinwuchs
19.11.1981 Abgabe radioaktiv verseuchter Abwässer wegen zu geringer Spülung mit Kühlwasser. Endkonzentration der Radioaktivität 35 % über dem zugelasssenen Wert
24.06.1982

Überschreitung der genehmigten Argon 41-Konzentration in der Abluft nach Öffnen einer Rohrpostprobe
1989 bis 1991

Neuerliche Belastung des Bodens mit radioaktiven Stoffen wird entdeckt wegen undichtem Abwasserkanal. Die seit 1979 vorgeschriebenen jährlichen Kontrollen des Kanals waren von den Betreibern, dem Physikdepartment der TU München, nicht durchgeführt worden.

Feststellung des Lecks durch Wurzeleinwuchs: 20.09.1989

Die GSF stellte im Bereich der Abwasser- und Kühlwasserkanäle sowohl in der Bodenfeuchte als auch im Grundwasser des Brunnens G5 erhöhte Tritium-Werte fest.

Feststellung der Leckage: 15.-24.10.1990

Feststellung der Verseuchung: Juli 1991

An den undichten Stellen des Abwasserkanals (Rohrmuffen mit veralteten Dichtungen, Zerstörungen durch Wurzeleinwuchs) ist darüber hinaus das Erdreich mit maximal 4000 Bq/kg Gesamtaktivität durch Americium-, Plutonium-, Cäsium- und andere Isotope radioaktiv kontaminiert.

Übersicht der meldepflichtigen Ereignisse

12.10.1992 Reaktorschnellabschaltung infolge einer ausgefallenen Neutronenflußmessung
04.12.1992 Reaktorschnellabschaltung infolge einer Elektronikbaugruppe
10.12.1992 Leckage an der Primärkreiswasserreinigungsanlage
20.12.1992 Reaktorschnellabschaltung infolge eines defekten Neutronenflußmeßkanals
04.05.1993 Reaktorschnellabschaltung beim Anfahren
13.07.1993 Reaktorschnellabschaltung bei Kalibrierarbeiten an einem Neutronenflußmeßkanal
27.09.1993 Fehlfunktion eines Neutronenflußmeßkanals bei Grenzwerteinstellung
15.10.1993 Ausfall des Sicherheitskanals 1 beim Anschluß eines Parametriergerätes
01.02.1994 Reaktorschnellabschaltung durch Fehlanregung eines Grenzwertes
02.02.1994 Reaktorschnellabschaltung durch Fehlanregung eines Grenzwertes
19.09.1994 Reaktorschnellabschaltung infolge Ausfall des Sicherheitskanals 2 beim Anschließen des Parametriergeräts
04.10.1994 Reaktorschnellabschaltung infolge Fehlfunktion des Sicherheitskanals 2
05.12.1994 Reaktorschnellabschaltung nach Abfall von Trimmstäben
18.12.1995 Reaktorschnellabschaltung durch ein Fehlsignal aus der Strahlenschutzinstrumentierung
13.12.1996 Reaktorschnellabschaltung durch Ausfall der Primärpumpe
13.12.1996 Reaktorschnellabschaltung beim Anfahren der Anlage
13.03.1997 Loser Gegenstand im Reaktorbecken
April 1997 Reaktorschnellabschaltung wegen eines Lecks im Primärkühlkreislauf
16.07.1997 Automatische Reaktorschnellabschaltung infolge eines Fehlsignals


© Mütter gegen Atomkraft e.V.