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Atommüll-Zwischenlager und Atommüll-Endlager

Bundesamt für Strahlenschutz hat Ende 2003 die letzten Zwischenlager in Deutschland genehmigt

Erstes Atommüll-Zwischenlager in Bayern ist genehmigt

Jetzt erst recht - Gemeinsam machen wir den Atomstrom überflüssig!
Eine Stellungnahme der BA-BI zu Grafenrheinfeld

Am Mittwoch, den 12.02.03 erteilte das Bundesamt für Strahlenschutz (bfs) die atomrechtliche Genehmigung für das Atommülllager Grafenrheinfeld.
Das Atommülllager Grafenrheinfeld diente dem bfs dabei als "Leitverfahren" für die süddeutschen Atommülllager. Dies muss für uns Grund genug sein, die Genehmigung genau zu studieren und Mängel deutlich zu machen. Vielleicht gelingt es uns dann wenigstens für nachfolgende Genehmigungen noch Verbesserungen zu erreichen.
Obwohl die Genehmigung im Detail noch nicht bekannt ist, lassen sich bereits mehrere Mängel des Konzepts erkennen, die uns in unserer Ablehnung bestärken:

1) Das Atommülllager wurde wesentlich zu groß geplant, beantragt und nun auch genehmigt. Genehmigt wurden Stellplätze für 88 Castorbehälter, von denen jeder 19 Brennelemente fasst, d.h. im Atommülllager können 1672 Brennelemente gelagert werden.
Pro Jahr werden jedoch nur 44 Brennelemente aus dem Reaktor entnommen. Jeder kann sich also leicht ausrechnen, dass 38 (!!!) Jahre lang Atommüll eingelagert werden kann. Das Atommülllager soll jedoch erst 2005 in Betrieb genommen werden und das Atomkraftwerk laut Atomkompromiss spätestens 2015 vom Netz gehen. In dieser Zeit fallen also höchstens 484 Brennelemente an. Bei diesen Zahlen davon zu sprechen, dass e.on jetzt gezwungen werde, Atommüll zu vermeiden, wie es MdB Hans Josef Fell (B90/Die Grünen) in einem Interview der Mainpost getan hat, zeugt von großer Unkenntnis. Wir wünschen uns, dass sich die Bundestagsabgeordneten Fell und Hofmann möglichst bald mit uns treffen, um ihr Wissensdefizit auszugleichen.
Es fragt sich, warum e.on derart überdimensionierte Atommülllager baut, wobei Grafenrheinfeld noch eines der kleineren Lager ist. Mehrere Möglichkeiten sind denkbar und nach unseren Befürchtungen durch eine kleine Änderung der erteilten Genehmigung realisierbar:

2) Es gibt keine Filterung der Abluft. Bei der Erörterung in Gerolzhofen im September 2001 räumten e.on-Vertreter ein, dass sie Brennelemente aus dem bestehenden Kompaktlager bereits nach kurzer Abklingzeit (lediglich ein Jahr) in das neue Atommülllager umladen wollen. Dies ist nicht hinnehmbar,
da die Abluft des neuen Lagers im Gegensatz zu der des Kompaktlagers weder einer Filterung noch einer Kontrolle auf Radioaktivität unterliegt.

3) Die vorgelegten Untersuchungen zum Fragenkomplex terroristischer Angriffe dienen lediglich der Beruhigung der Bevölkerung, bringen aber keinerlei größere Sicherheit. Das Atommülllager hält dem absichtlich herbeigeführten Absturz eines Zivilflugzeugs nicht stand. Bei dem Angriff mit einer Panzerfaust kann es zur Beschädigung von Castorbehältern mit massiven Freisetzungen radioaktiver Stoffe kommen.
Eine Untersuchung von Lothar Hahn (heute Gesellschaft für Reaktorsicherheit) u.a. kam im April1996 zu dem Ergebnis, dass durch die Folgen eines Angriffs mit einer Panzerfaust auf ein Atommülllager, "bis zu 2500 Quadratkilometer landwirtschaftlich genutzter Fläche so kontaminiert werden können, dass die landwirtschaftliche Nutzung eingeschränkt oder eingestellt werden müsste."
Das bfs hatte unmittelbar nach dem Erörterungstermin, noch unter dem direkten Eindruck der Ereignisse vom 11.September, öffentlich verkündet, man wolle auch für die süddeutschen Anlagen die dickeren Wände des norddeutschen Steag-Konzepts in der Genehmigung festschreiben. Jetzt wurden jedoch die ursprünglich geplanten dünneren Wände genehmigt.

4) Der Betrieb des Atommülllagers kann es notwendig machen, dass undichte Castorbehälter quer durch Deutschland transportiert werden müssen. Jeder, der die freigesetzte Radioaktivität dann einatmet oder über die Nahrung aufnimmt, kann selbst an Krebs erkranken oder seine Kinder können von Missbildungen betroffen sein.
Wird nämlich der Primärdeckel (innere Deckel) der Castorbehälter undicht, so soll nach der Stilllegung und dem Rückbau des Atomkraftwerks außen ein weiterer Deckel (Fügedeckel) aufgeschweißt werden. Dadurch entsteht vorübergehend wieder ein System von zwei dichten Deckeln. Sollte nun aber der Sekundärdeckel (ursprünglich äußere Deckel) auch noch undicht werden, so muss dieser oder zumindest seine Dichtung ausgewechselt werden. Dies ist aber nach dem Rückbau des Atomkraftwerks am Standort Grafenrheinfeld nicht mehr möglich. Der Behälter muss also beispielweise nach Gorleben zur Reparatur transportiert werden. Da bei diesem Transport der Fügedeckel stört, muss er abmontiert werden, was als Folge einen undichten Castorbehälter mit massiver Freisetzung radioaktiver Stoffe ergibt.

5) Es gibt keinerlei Garantie dafür, dass die Castorbehälter nach 40 Jahren wirklich abtransportiert werden. Das Atommülllager kann wiederum durch eine "kleine" Änderung der Genehmigung de facto zu einem Endlager werden. Änderungsgenehmigungen am Atomkraftwerk selbst lassen befürchten, dass es hierbei nicht einmal zu einer Öffentlichkeitsbeteiligung kommen wird. Die Sicherheit der Castor-Behälter nimmt jedoch mit zunehmendem Alter wesentlich ab. Von massiven Auswirkungen durch erhöhte radioaktive Strahlung muss dann ausgegangen werden.

Angesicht dieser und weiterer gravierender Gefährdungen durch das Atommülllager wird die BA-BI den Genehmigungsbescheid sehr genau studieren, sobald er vorliegt. Darüber hinaus prüfen wir trotz unserer auf grund des letzten Prozesses sehr prekären finanziellen Lage ernsthaft die Möglichkeit einer Klage gegen diese Genehmigung.
Wir dürfen nicht nochmals resignieren, wie nach der Fertigstellung des Atomkraftwerks. Vielmehr muss es für uns jetzt heißen:
"Jetzt erst recht! -Gemeinsam machen wir den Atomstrom überflüssig!"

Weitere Auskunft erhalten Sie von: > U. Wittmann (2. Stellvertretender Vorsitzender der BA-BI) per Mail DorotheaUlrich.Wittmann@t-online.de




Und so stellt sich die derzeitige Situation der Atommüll-Zwischenlager in Deutschland dar:

Jedes Jahr entstehen in den deutschen Atomkraftwerken rund 450 Tonnen hochradioaktive abgebrannte Brennelemente. Bis heute weiß niemand, was mit diesem Jahrtausende strahlenden Atommüll passieren soll.
In den letzten 40 Jahren Atomenergiewirtschaft wurde weltweit keine Endlagerlösung gefunden.

Mit dem im Jahr 2001 verabschiedeten neuen Atomgesetz hat die Atomindustrie im "Konsens" mit der rot-grünen Bundesregierung eine Bestandsgarantie für ihre 19 laufenden Atomkraftwerke erhalten, obwohl diese nicht mehr dem aktuellen "Stand von Wissenschaft und Technik" entsprechen.
Damit gewährleistet der Staat den ungestörten Betrieb der Atommeiler über eine Laufzeit von ca. 35 Jahren und erlaubt die Verdoppelung der bereits vorhandenen Atommüllberge.
Der im Atomgesetz zugesagte ungestörte Betrieb beinhaltet:
   -Der hochradioaktive Atommüll (abgebrannte Brennelemente) wird neben den Atomkraftwerken auf Jahrzehnte
    zwischengelagert. (Die Rede ist von maximal 40 Jahren!)
   -Die für den Betrieb eines AKWs erforderlichen Transporte müssen erlaubt werden.
   -Ab dem Jahr 2030 soll der etwas in seiner Strahlung abgeklungene Atommüll aus den Zwischenlagern nach
    und nach in das dann bestehende nationale Endlager unter Tage eingefahren werden.

Weltweit gibt es kein Endlager für hochradioaktive Abfälle - so auch nicht in Deutschland!

Um unauffällig Platz für den anfallenden Atommüll in den nächsten Jahrzehnten zu schaffen, sollen in Deutschland also die im Jahr 2000 beantragten 12 sog. Dezentralen Standortzwischenlager (DZ) neben den Atomkraftwerken errichtet werden und ohne eine klare zeitliche Befristung die hochradioaktiven atomaren Frachten zur Auskühlung aufnehmen.
Denn nur durch weitere Atommüll-Zwischenlager ist auch der weitere Betrieb der Atomkraftwerke garantiert. Danach, so wird suggeriert, gelangt der noch auf Jahrmillionen strahlende Müll in ein sicheres Endlager.
Bei Obrigheim (Baden-Württemberg), Jülich (Nordrhein-Westfalen) und Greifswald/ Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) existieren schon seit längerer Zeit Dezentrale Zwischenlager. (DZ)
Auch wurde am 5. 6. 02 das ehemalige Erzbergwerk Schacht Konrad in Salzgitter (Niedersachsen) als Endlagerstätte für schwach Wärme entwickelnde atomare Abfälle trotz über 250.000 Einwände genehmigt. So genannte Zentrale Zwischenlager (ZZ) befinden sich bereits in Gorleben und Ahaus und Greifswald.

Die Gefahr von Terroranschlägen bleibt unberücksichtigt

Bis Ende 2003 wurden alle 12 Genehmigungsverfahren für die von den Betreibern beantragten Dezentralen Zwischenlager abgeschlossen. Bei den Erörterungsterminen wurden bisher rund 250.000 Einwände gegen die Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente im Fließbandverfahren vom Tisch gewischt.
Die seit dem 11. September 2001 befürchteten Gefahren durch mögliche Terroranschläge wurden ignoriert oder mit Hilfe von Gefälligkeitsgutachten klein geredet.

Betongaragen für hochradioaktive Abfälle

Um den Zeitraum von 5 Jahren bis zur Fertigstellung der Zwischenlagerhallen zu überbrücken, wurden an einigen Atomkraftwerkstandorten so genannte Interims-Lager als Notlösung beantragt und auch schon zum Teil in dubiosen Schnellverfahren genehmigt.
Als Lagerdauer sind hierbei 6-8 Jahre beantragt. Hier dürfen dann in Zukunft die hochradioaktiven Abfälle in einfachen Betongaragen aufbewahrt werden. Danach sollen die Behälter in die geplanten und genehmigten Standort-Zwischenlagerhallen überführt werden.

Bereits genehmigt sind:
Zwischenlager (DZ)
         am AKW Lingen (Emsland) am 07.11. 2002,
         am AKW Grohnde (Niedersachsen) am 20. 12. 2002,
         am AKW Grafenrheinfeld (Bayern)am 12. 02. 2003
         am AKW Biblis (Hessen), Neckarwestheim (Baden-Württemberg),
         am AKW Isar/Ohu (Bayern) und Unterweser (Niedersachsen) am 22. 09. 2003
         am AKW Brokdorf, Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) am 28. 11. 2003
         am AKW Krümmel (Schleswig-Holstein) , Philippsburg (Baden-Württemberg) und
         am AKW Grundremmingen (Bayern)am 19. 12. 2003
Interimslager
         bei den AKWs Neckarwestheim, Philippsburg (Baden-Württemberg) und
         bei Biblis (Hessen)

Gundremmingen - Deutschlands größtes Atommüll-Zwischenlager

Am AKW Gundremmingen wurde am 19.12.2003 Deutschlands größtes Atommüll-Zwischenlager für 192 Castoren genehmigt. Jeder Castor soll 52 abgebrannte Brennelemente aufnehmen. Die so "entsorgte" Atommüllmenge würde rund 17.000 kg Plutonium enthalten.
Die Kühlung der Castoren erfolgt über die sog. Naturkonvektion; dabei strömt nach dem Kuhstallprinzip an den Seitenwänden Umgebungsluft ein, streicht an den Castoren entlang und entweicht, erwärmt und angereichert mit allem, was sich in der Hallenluft befindet, durch große Öffnungen im Dach. Eine Radioaktivitätsüberwachung der Abluft ist nicht vorgesehen.

Die Dichtheit der Castoren über mehrere Jahrzehnte ist nicht nachgewiesen. Sie könnten nur schwer repariert werden. Zudem sind die vorgesehenen Castoren nur rechnerisch geprüft, aber keinen praktischen Fall- und Brandtests ausgesetzt worden.
Die Sicherheitsphilosophie der Betreiber der Zwischenlager setzt einzig und allein auf die fragwürdige Sicherheit der Castoren.
Nur ein Castorbehälter kann so viel Radioaktivität enthalten, wie seinerzeit in Tschernobyl freigesetzt wurde.
Das geplante Atommüll-Zwischenlager führt als vierte Atomanlage am Standort zu einer Verdreifachung der dortigen Radioaktivität und zu einem erhöhten Risiko für katastrophale Unfälle durch innere oder äußere Einwirkungen.
Widerstand in der Bevölkerung
In der Bevölkerung hat sich ein breiter Widerstand der BürgerInnen formiert (76.000 Einwendungen), welche die geplante gefährliche Atommüll-Lagerung entschieden ablehnen. Bereits heute ist in der Umgebung von Gundremmingen die Kinderkrebsrate nachweislich erhöht.

Im "FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik" wappnen sich die GegnerInnen für einen koordinierten jahrelangen Widerstand in ihrer Region, rufen andere BI`s zur Zusammenarbeit auf und fordern ein Umdenken in der Energiewirtschaft.

Am 16.01.2004 wurde vom FORUM beschlossen, eine Klage gegen die Genehmigung des größten deutschen Zwischenlagers am AKW Grundremmingen auf den Weg zu bringen.
Unterstützt wird das Vorhaben von evangelischen und katholischen Kirchenverbänden, wie vielen anderen Verbänden, u.a. vom Bund und der atomkritischen Ärztevereinigung IPPNW.
Auch die "Mütter gegen Atomkraft e.V." sind dem FORUM beigetreten, ebenso kann jede/r mit einer Einzelspende das wichtige Verfahren finanziell unterstützen.
Internetinformationen:
www.ippnw-ulm.de
www.atommuell-zwischenlager.de

Auch an den anderen bayerischen Standorten wehren sich die BürgerInnen gegen die Potenzierung der atomaren Risiken durch standortnahe Zwischenlager.
www.landshut.org/bund-naturschutz/Akt/atomlager.html
www.bund-nrw.de
www.robinwood.de/konrad
Für Grafenrheinfeld: BA-BI, Alte Bahnhofstr. 10, 97422 Schweinfurt;
E-Mail:ba-bi.sw@lycos.de
www.umweltinstitut.org
Atomenergie und Sicherheit unter:
www.atom-secur.de
Security by obscurity does not work. Geheimhaltung garantiert keine wirkliche Sicherheit.
Wirklich sicher sind nur die Dinge, über die wir offen reden können.
Lasst uns darüber reden.
IPPNW informiert.

    Die bessere Alternative zum Bau der Zwischenlager:
    An den Atomkraftwerken existieren bereits Zwischenlager in Form der Nasslager in den Reaktoren.
    Wenn diese Lager voll sind, müssen die Atomkraftwerke abgeschaltet werden.
    Ein Ausstiegsfahrplan, bei dem die Reaktoren nach und nach vom Netz gehen, sobald ihre
    Abklingbecken voll sind, führt zu einem zügigen Ausstieg in ca. 5 Jahren.
    Dadurch werden Atomtransporte und eine Ausweitung der Zwischenlager-Kapazitäten überflüssig.

Quellen:

  -Zeitschrift: IPPNW forum / 78 / 02, Dezember 2002
  -Zeitschrift: Umwelt Nachrichten, Heft 97, Dez. 2002
  -Broschüre: BUND position des BUND : Widerstand nach dem Atom"konsens", BUND-NW, 02/2001
  -Broschüre: Greenpeace e. V. ; "13 neue Zwischenlager" und "Interimslagerung: Atommüll in Betongaragen", 2/2001,
  Große Elbstr. 39, 22745 Hamburg
  -TAZ/ Artikel v. 6. 7. 02 und v. 7. 11 02 s. auch Internet-Kontaktadressen
Stand: 22. 01. 2003


© Mütter gegen Atomkraft e.V.