Offener Brief an Bundesumweltminister Gabriel zu den Reaktorunfällen
in Brunsbüttel und Krümmel
Überreicht von Cornelia Stadler am 17.Juli 2007 anläßlich einer SPD-Veranstaltung
zum Thema "Klimawandel" in München

Sehr geehrter Herr Minister Gabriel,
was lernen die marktbeherrschenden Energiebetreiber daraus, wenn sich in einem Atomreaktor ein Unfall ereignet, wie jetzt kurz hintereinander in Brunsbüttel und Krümmel?
Dass sie ihre Krisen-PR verbessern müssen, damit sich der Imageschaden für die Kernenergie nicht zum Desaster auswächst. Dabei machen die Pannen im schwedischen Forsmark wie hier in Deutschland überdeutlich: Bei einem Störfall kann das Zusammenspiel von menschlichem und technischem Versagen ebenso in einer Katastrophe enden wie wir sie im Unglücksreaktor von Tschernobyl erlebt haben.
Da die Betreiber jedoch gemeinsam mit den politischen Atomkraftbefürworten die Gefahren leugnen und hartnäckig behaupten, „saubere“ Atomenergie werde uns vor dem Klimakollaps bewahren, stellen sie das eigentliche Sicherheitsrisiko dar. Deren Argument, man benötige die Atomenergie nur noch übergangsweise, bis die erneuerbaren Energien einen größeren Anteil am Strommix übernehmen können, klingt unglaubwürdig. Denn die vier Energieerzeuger Eon, EnBW, Vattenfall und RWE hätten seit dem GAU in Tschernobyl über 20 Jahre Zeit gehabt, den Auf- und Ausbau eines umweltverträglichen Energiemarktes voranzutreiben. Mindestens mit der gleichen Investitionskraft, die sie in den Bau der Atommeiler gesteckt haben. Das Geld dafür haben sie – dank riesiger Gewinne als Strommonopolisten.
Wenn Eon nach der geplatzten Übernahme der spanischen Endesa ankündigt, das Unternehmen werde 60 Milliarden Euro neu investieren, wird nichts darüber gesagt, wohin diese riesige Geldmenge wandern soll: in den Neubau von Kernkraftwerken in Osteuropa oder China, in klimabelastende Kohlekraftwerke oder in zukunftsfähige Energien wie Solartechnik, Biogas oder Geothermie? Statt sich Übernahmeschlachten zu liefern oder an der Energiekostenschraube bei Privathaushalten zu drehen, hätten die europäischen Energieproduzenten die Mittel und die Pflicht, Technologien zu fördern, die dazu beitragen Strom, Gas oder Treibstoff sparsamer und wirkungsvoller zu verwenden. Daran sind die Monopolisten ebenso wenig interessiert wie an der Stilllegung ihrer längst abgeschriebenen atomaren Altreaktoren.
Offenbar hat auch CSU-Wirtschaftminister Michael Glos noch nicht erkannt, welches wirtschaftliche Potential im Bereich der Energieeffizienz steckt. Warum sonst blockiert er zukunftsfähige Energietechnik und unterstützt die hiesige Atomlobby mit der Beschwichtigungsformel, „unsere Kernkraftwerke“ seien die sichersten der Welt – bis zum nächsten Störfall, der vielleicht nicht mehr beherrschbar ist!
Deshalb: Herr Minister, bitten wir Sie als „Mütter gegen Atomkraft“ e.V.:
Bleiben Sie stark in Ihrem Widerstand gegen Laufzeitverlängerungen der deutschen Atomkraftwerke!
Lassen Sie sich auf keine fragwürdigen Geschäfte mit der Atomindustrie ein!
Sorgen Sie für eine sofortige und dauerhafte Stillegung der Pannenreaktoren!
Denn: Nicht nur Umweltorganisationen sondern zwei Drittel der Deutschen wollen am beschlossenen Atomausstieg festhalten, ihn sogar beschleunigen, wie neue Studien belegen.
Diese breite Unterstützung müsste als Bollwerk genügen!
Cornelia Stadler
im Namen von über tausend Mitgliedern der „Mütter gegen Atomkraft e.V."
Leserbrief von Cornelia Stadler, Mütter gegen Atomkraft e.V.
30.Juni/1.Juli 2007
Feuer auf Reaktorgelände löst Atomdebatte aus
Brand in Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel
Es ist immer das Gleiche:
Passiert in einem deutschen Atomreaktor ein Unfall, wie jetzt die Brände kurz hintereinander in Brunsbüttel und Krümmel, dann werfen die Energiebetreiber ihre Beruhigungsmaschinerie an. Nur ein minimaler Schaden sei entstanden, man habe alles zu jeder Zeit im Griff gehabt und eine Gefahr für Personal und Bevölkerung habe es nie gegeben. Sofort eilen auch die Befürworter aus der Politik zu Hilfe und bekräftigen ihren Wunsch nach einer Laufzeitverlängerung der störanfälligen Atommeiler – allen erkennbaren Risiken zum Trotz. Mit dem Argument „saubere“ Atomenergie könne vor dem Klimakollaps retten, erhofft sich die Atomlobby eine Generalabsolution für sämtliche Gefahren und ungelösten Lagerungsprobleme, die mit dieser Technologie einhergehen.
Auch der Einwand, man benötige die Atomenergie nur noch übergangsweise, solange, bis die erneuerbaren Energien einen größeren Anteil am Strommix übernehmen können, klingt bei näherer Betrachtung hohl.
Vor allem aber unglaubwürdig, denn die vier großen Energieerzeuger hätten seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl über 20 Jahre Zeit gehabt, den Auf- und Ausbau eines umweltverträglichen Energiemarktes voranzutreiben. Mindestens mit der gleichen Investitionskraft, die sie in den Bau der Atommeiler gesteckt haben.
Die Gelder dafür haben sie – dank riesiger Gewinne als Strommonopolisten. Wenn Eon nach der geplatzten Übernahme der spanischen Endesa ankündigt, das Unternehmen werde 60 Milliarden Euro neu investieren, wird nichts darüber gesagt, wohin diese riesigen Geldmengen wandern sollen: in den Neubau von Kernkraftwerken in Osteuropa oder China, in klimabelastende Kohlekraftwerke oder in zukunftsfähige Energien wie Solartechnik, Biogas oder Geothermie?
Statt sich Übernahmeschlachten zu liefern oder an der Stromkostenschraube bei Privathaushalten zu drehen, hätten die vier deutschen Großbetreiber die Mittel und die Pflicht, Technologien zu fördern, die dazu beitragen Strom sparsamer und wirkungsvoller zu verwenden. Doch daran sind die Monopolisten ebenso wenig interessiert wie an der Stilllegung ihrer längst abgeschriebenen atomaren Altreaktoren.
Da CSU-Wirtschaftminister Michael Glos offenbar noch nicht erkannt hat, welches wirtschaftliche Potential im Bereich der Energieeffizienz steckt, blockiert er lieber zukunftsfähige Energietechnik und unterstützt die hiesige Atomlobby mit der Beschwichtigungsformel, „unsere Kernkraftwerke“ seien die sichersten der Welt – bis zum nächsten Störfall, der vielleicht nicht mehr beherrschbar ist!