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Zusammenhänge zwischen militärischer und ziviler Nutzung der Atomenergie

Ein Beitrag von Gerta Stählin und Gertrud Scherer

Die Frage, was zuerst da war – die Henne oder das Ei – lässt sich für die Atomenergie klarer beantworten als für Hühner.

Am Ende des 19. Jahrhunderts erforschten Chemiker das Atom und seinen radioaktiven Zerfall. Otto Hahn und Lise Meitner entdeckten schließlich in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts die Spaltung von Atomkernen.

Die Wissenschaft erkannte darin sehr schnell die Möglichkeit der Freisetzung großer Energiemengen. Das sah nach einem fantastischen Segen für die Menschheit aus: Wohlstand für alle durch massenhaften und spottbilligen Strom in Industrie und Haushalten, nie mehr Plackerei in Kohlebergwerken, ungeahnte Fortschritte in der Medizin.
Die weitreichenden Risiken und Nebenwirkungen wurden dabei allerdings unterschätzt.

Bevor aber der Segen der Atomtechnik der Menschheit zuteil werden konnte, forcierten die USA von 1942 an die Entwicklung von Atombomben. Man wollte der Herstellung und dem Einsatz vermeintlicher deutscher Atomwaffen zuvor kommen.

Der Abwurf der US-amerikanischen Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki im August 1945 dienten nicht der Beendigung des eigentlich schon gewonnenen Krieges. Vielmehr wollten die USA der Welt – vor allem der Sowjetunion – mit ihrer eigenen Überlegenheit drohen.

Seither dient die atomare Abschreckung angeblich der Erhaltung des Friedens und der Sicherheit durch das Gleichgewicht des Schreckens. Dafür steht vor allem das atomare Wettrüsten zwischen den USA und der Sowjetunion im Kalten Krieg. Inzwischen sind schon viele Länder im Besitz der Atomwaffentechnik. In der Regel wurden zunächst zivile Atomkraftwerke gebaut – meist mit maßgeblicher Unterstützung der Industrieländer.

Aber die »zivile Nutzung« ist ein trojanisches Pferd. Mit dem nötigen Know-How lässt sich bei der Wiederaufarbeitung der Bombenstoff Plutonium abtrennen oder die Anreicherung von Uran so steigern, dass die Voraussetzungen zum Bau von Atombomben erfüllt sind.

Westdeutschland war nach 1945 von der Teilhabe an Atomwaffen ausgeschlossen. Schließlich wollten die europäischen Nachbarländer einer erneuten Großmacht Deutschland vorbeugen. Dennoch verfocht Franz Josef Strauß – ehemaliger Atomminister und bayerischer Ministerpräsident – ab den 70er Jahren deutsche Großmachtpläne. Nuklearwaffen konnte er nicht offen fordern. Aber er forcierte den Bau einer Wiederaufbereitungsanlage für verbrauchte Brennelemente in Wackersdort – angeblich nur für zivile Zwecke.

Heute ist Deutschland in die Europäische Union eingebunden und deutsche Politiker sprechen von der nötigen Verfügungsgewalt über Atomwaffen. Die technischen Voraussetzungen für die Entwicklung eigener atomarer Waffen sind vorhanden. Die Bundesrepublik verfügt auch über ausreichende Mengen an waffenfähigem Material. Taktvoll zielen die Bestrebungen heute aber offiziell auf »vergemeinschaftete europäische Nuklearstreitkräfte«.

Wir erleben in diesen Tagen, wie sehr sich westliche Politiker bedroht fühlen, weil der Iran nach der Atomenergie greift und sich nicht westlichen Kontrollen unterwerfen will. Die USA drohen mit dem atomaren Erstschlag, und auch britische Nuklearstreitkräfte könnten »explizit« oder »implizit« einbezogen werden.

Ist dies »verständlich« und »logisch«, wie die deutsche Kanzlerin meint ?
Und welcher Staat ist es dann, der mit der Atombombe unverantwortlich umgeht?



© Mütter gegen Atomkraft e.V.