Rede von Christine Hopf
Mein Name ist Christine Hopf, ich spreche für die MÜTTER GEGEN ATOMKRAFT
Liebe Gäste, liebe Freunde,
Wer hätte damals 1986 geglaubt, dass 20 Jahre nach Tschernobyl bei uns in Deutschland noch immer so viele Atomkraftwerke am Netz sein würden – nämlich 17 von 21?
Wer hätte es damals für möglich gehalten, dass SPD und GRÜNE einmal erlauben würden, den hochgefährlichen Atommüll in oberirdischen Hallen gleich neben den Atomkraftwerken zu lagern - für 40 Jahre und länger?
Wer hätte damals gedacht, dass noch nach der Jahrtausendwende Millionen an Fördergeldern aus den Töpfen der EU in die Atomtechnologie fließen? Und das ohne Mitsprache eines Parlaments!
Wer hatte damals soviel Pessimismus, sich für die Zukunft eine Welt vorzustellen, in der terroristische Angriffe jeden Tag möglich sind – auch auf Atomkraftwerke und atomare Zwischenlager?
Zwanzig Jahre unseres Lebens haben wir MÜTTER GEGEN ATOMKRAFT dafür gearbeitet unser Vereinsziel zu erreichen: den »sofortigen Ausstieg« aus der Atomkraft. Heute müssen wir den »Ausstieg aus dem Ausstieg« fürchten.
Haben wir unsere Kräfte umsonst eingesetzt, unsere wertvolle Zeit vergeudet?
Immerhin - wir haben mit unserem erbitterten Widerstand dazu beigetragen, dass heute in der Oberpfalz keine Plutoniumfabrik steht. Die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf konnte verhindert werden.
Immerhin – es gab ROT-GRÜN und dank ROT-GRÜN das Erneuerbare Energien-Gesetz - kurz EEG. Dieses Gesetz fördert die Einspeisung von regenerativem Strom, z.B. von Strom aus Wind und Sonne, und gibt dem regenerativen Strom sogar den Vorrang vor Atomstrom. Mit anderen Worten: Die großen Atom-Energieversorger und Atom-Energiehändler E.on , RWE, EnBW und Vattenfall müssen diesen Strom abnehmen.
Immerhin haben wir heute die Möglichkeit, unseren Stromanbieter frei zu wählen. Wir könnten - mit vereinten Kräften - Atomstrom zum Ladenhüter werden lassen.
Und nicht zuletzt: Wir MÜTTER GEGEN ATOMKRAFT konnten den Opfern von Tschernobyl, vor allem Kindern und Jugendlichen, seit der Öffnung des Ostens mit 600.000 Euro allein an Geldspenden helfen.
Und der Atomausstieg?
Wir wissen, wir stehen mächtigen Interessengruppen gegenüber. Nach der Katastrophe von Tschernobyl haben wir bald gemerkt, was es bedeutet, als kleine Bürgerinitiative gegen Energiekonzerne und politische Interessen anzutreten. Und trotzdem hofften wir auf einen schnellen Erfolg.
Er kam nicht.
Wie können, wie wollen wir weitermachen?
20 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl müssen wir sehen: Es kann noch einmal 20 Jahre dauern, bis die Atomkraftnutzung abgeschafft ist.
Das macht uns traurig und wütend zugleich.
Wie kann es sein, dass in unserem demokratischen Staat die Gewinn-maximierung einiger Konzerne über das Recht auf Leben und Gesundheit von uns allen gestellt wird?
Tschernobyl hat uns gezeigt, wie viel Leid die Atomtechnologie bringt. Tausende Tote, Tausende Todkranke, Hunderttausende kranke Menschen und Hunderttausende Menschen ohne Heimat. Jedes Schicksal für sich kann uns zu Tränen rühren.
Dürfen wir weiterhin d i e s e s 'Restrisiko' akzeptieren?
Wir Mütter gegen Atomkraft sagen: Die lebensfeindliche Atom-Technik muss beendet werden - in ihrer zivilen und in ihrer militärischen Nutzung!
Ich möchte gerne zum Schluss den Physiker und Philosophen Professor Hans- Peter Dürr zitieren. In seinem Buch »Für eine zivile Gesellschaft« schreibt er: «Wenn die Zerstörung unseres Planeten letztlich durch das Bewusstsein des Menschen und sein darauf gründendes Handeln möglich ist, dann auch seine Rettung. Wir sollten nicht so kleinmütig sein«, sagt er, »und immer nur unsere Ohnmacht beklagen.«
In diesem Sinne wollen und können wir weitermachen!
Lassen Sie uns ‚die Rettung' unseres Planeten mit einem kleinen Schritt voranbringen.
Vollziehen wir unseren persönlichen Atomausstieg!
Wechseln wir den Stromanbieter!
Weitere Schritte werden folgen. Wir geben nicht auf!
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