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Der bayerische Sündenfall
Ein Versuch, Atomkraft wieder hoffähig zu machen

Ein Redebeitrag von Gina Gillig

Tschernobyl – das hätte der Anfang vom Ende der Atomkraft sein können. Tschernobyl – das war der GAU in einem Atomkraftwerk – der größte anzunehmende Unfall. Es war auch der GAU für den grenzenlosen Glauben an die Machbarkeit, mit dem die Risiken der Atomenergie immer wieder verharmlost und geleugnet wurden.

Nach der Katastrophe von Tschernobyl ist in Deutschland kein neues Atomkraftwerk mehr gebaut worden. Das heißt aber nicht, dass es nicht große Kräfte gibt, die trotz des GAUs weiter auf Atomkraft setzen.

Die Bayerische Staatsregierung startete das Projekt Atomforschungsreaktor FRM II in Garching bei München. Die Atomlobby freute sich darüber. Der Reaktor sollte unter Beweis stellen: Speziell in Bayern – trotz Tschernobyl und trotz der Niederlage der Atomlobby in Wackersdorf – sollen Atomanlagen wieder durchsetzbar sein.

Zehn Jahre dauerte das Verfahren für den ersten, nach Tschernobyl neu gebauten Atomreaktor in Deutschland. Nach langem Widerstand hat er vor zwei Jahren den Betrieb aufgenommen.
Der FRM II ist kein Atomreaktor zur Stromerzeugung. Vielmehr wird in diesem Reaktor die gefährliche Kernspaltung genutzt um Neutronen zu erzeugen. Wenn auch kleiner als ein Atomkraftwerk, so sind die atomaren Gefahren und Probleme ähnlich bzw. gleich.

Mit dem FRM II hat es darüber hinaus noch eine Besonderheit:
Mit diesem Atomprojekt ist ein Präzedenzfall geschaffen worden, der die weltweiten Bemühungen zur Nichtweiterverbreitung von Atomwaffenmaterial untergräbt. Der verwendete Brennstoff ist hochangereichertes waffenfähiges Uran: 40 kg pro Jahr – genug für den Bau einer Atombombe.
Die zivile Nutzung von Bombenstoff in Forschungsreaktoren ist verbunden mit der Gefahr der Abzweigung bzw. Weiterverbreitung von Atomwaffenuran. Dies sollte eigentlich mit einem internationalen Programm weltweit eingedämmt werden. Bereits bestehende deutsche Forschungsreaktoren in Geesthacht und Berlin wurden gemäß diesem internationalen Abkommen mit vielen Millionen Steuergeldern auf nicht waffenfähiges Uran umgerüstet. Nicht so in Bayern. Die Atomphysiker der TU München setzten sogar noch eins drauf und hintergingen ihre Kollegen: Sie missbrauchten das Know how der Umrüstung und bauten den FRM II trotzdem mit Bombenuran.

Das Vorgehen der Garchinger Atomphysiker hat national und international Unverständnis und Protest hervorgerufen. Selbst die IAEO hat hilflos bedauert, dass man die Münchner Physiker in Garching nicht habe umstimmen können. Die USA hatten sich geweigert, hochangereichertes Uran zu liefern. Also musste russisches Waffenuran her: Dafür fuhr dann auch schon mal ein Garchinger Professor heimlich nach Moskau. Mit unglaublicher Sturheit wird an der Atombombenfähigkeit festgehalten.

Die Entstehungsgeschichte des FRM II gleicht einem Krimi:

Kann es sein, dass Atomtechnologie nicht nur gefährlich ist,
sondern zu Skrupellosigkeit führt?

Aus Verantwortung für unsere Kinder und die nachfolgenden Generationen:
Wir dürfen das nicht zulassen.



© Mütter gegen Atomkraft e.V.