Rede der MÜTTER GEGEN ATOMKRAFT
anlässlich der NATO-Sicherheits-Konferenz am 6.2.2004
Liebe Freunde, liebe Gleichgesinnte,
Mein Name ist Christine Hopf. Ich spreche zu euch als Vertreterin der Mütter gegen Atomkraft.
Wir, die Mütter gegen Atomkraft sind ein gemeinnütziger Verein. Wir haben uns unmittelbar nach der Atomreaktor-Katastrophe von Tschernobyl gegründet.
Damals, in den ersten Wochen nach dem radioaktiven Fallout über Bayern ging es uns, die wir ja fast alle Mütter waren, erst einmal um unbelastete Nahrungsmittel für unsere Familien.
Aber wir haben keine vier Wochen gebraucht, um zu erkennen, dass wir auch politisch aktiv werden müssen.
Und das haben wir dann getan - 18 Jahre lang - bis heute.
Der Wort "Mütter" im Namen unseres Vereins erscheint manchem heute etwas betulich, andere sagen, es sei ausgrenzend. Aber wir haben diesen Namen immer als Appell aufgefasst, nämlich Mutter sein als politische Selbstverpflichtung!
Der zweite Teil unseres Namens, nämlich "gegen Atomkraft" braucht keine Erklärung.
Wir kämpfen gegen Atomkraft - und zwar gegen Atomkraft in allen ihren Erscheinungsformen.
Uns ist klar: Die sogenannte, die angeblich"friedliche" Nutzung der Atomkraft - in den Atomkraftwerken - ist von der militärischen Nutzung der Atomkraft - in den Atombomben - nicht zu trennen. Atomwaffen und Atomenergie hängen ganz eng zusammen.
Deswegen stehen wir hier.
Deswegen protestieren wir gegen diese vorgebliche "Sicherheitskonferenz" der NATO.
Denn womit wollen denn die USA
- und die USA sind ja mehr als nur der Wortführer der NATO -
womit wollen die USA die Sicherheit der ersten Welt in Zukunft gewährleisten?
Ganz wesentlich mit einer neuen Generation kleiner Atombomben.
Sie nennen sie - verniedlichend, verharmlosend - mini-nukes.
Diese Klein-Atombomben sollen einen begrenzten Atomkrieg führbar machen.
Gegenstand dieser Sicherheitskonferenz wird sicher auch sein: Wie lässt sich verhindern, dass die von den USA so genannten "Schurkenstaaten" das gleiche tun was die USA selbst auch tun - nämlich Atombomben bauen?
Unseren Lösungsvorschlag dafür hätten wir gerne im Bayerischen Hof übergeben:
Er heißt: Durch Angriffs-Kriege - wie den auf den Irak - lässt sich die Verbreitung der Atombombe nicht verhindern!
Der einzige Weg ist: Die gesamte Atomtechnologie muss abgewickelt werden. Weltweit!
Warum muss die Atomtechnologie als ganze beendet werden?
Solange wir Atomkraftwerke betreiben- und das tun wir nach dem neuen deutschen Atomgesetz von Rot-Grün noch mindestens 25 Jahre - brauchen wir Brennstäbe. Und das Uran für diese Brennstäbe muss angereichert werden. So kann die dafür nötige Gas-Ultra-Zentrifuge für militärische Zwecke weiterhin unter der Hand verkauft werden.
Warum muss die Atomtechnologie als ganze beendet werden?
Solange wir Atomkraftwerke betreiben, solange wird am Ende abgereichertes Uran (DU) anfallen. Und dieses DU eignet sich hervorragend zur Herstellung von Uranmunition. Der Einsatz von hunderten von Tonnen dieser Uranmunition hat im Kosovo - durch die NATO - und im Irak - durch die USA - radioaktive Schlachtfelder hinterlassen.
Warum muss die Atomtechnologie als ganze beendet werden?
Solange wir die sogenannten Wiederaufarbeitungsanlagen in Sellafield und La Hague weiterarbeiten lassen, so lange wird immer mehr Plutonium aus immer mehr abgebrannten Brennelementen herausgeholt. Und immer mehr Staaten werden versuchen, sich dieses Plutonium für Atombomben zu beschaffen.
Warum muss die Atomtechnologie als ganze beendet werden?
Solange wir in Deutschland einen Atom-Forschungsreaktor wie den FRM II in Garching bei München bauen - beantragt von der CSU und abgesegnet von Rot-Grün - , einen Forschungsreaktor, in dem hochangereichertes Uran eingesetzt wird, solange tragen wir selbst zur Weiterverbreitung von atomwaffenfähigem Material bei.
Deshalb fordern wir:
Alle Atomkraftwerke müssen stillgelegt werden.
Alle Atomwaffen müssen geächtet werden.
Die gesamte Atomtechnologie muss beendet werden.
Wir Mütter gegen Atomkraft setzen uns auch in Zukunft dafür ein.
Lasst uns zusammen Druck ausüben auf unsere Regierung und - hier und heute auf diesem Platz - auf die NATO!