REDE der Mütter gegen Atomkraft e.V. zum Hiroshima-Tag
6. August 2004
Forum der Münchner Freiheit
Corina Toledo-Wagner und Christine Hopf

Heute jährt sich zum 59. Mal der Atom-Bombenabwurf auf Hiroshima.
Drei Tage später wurde die Atombombe auch auf Nagasaki geworfen.
160.000 tausend Menschen erlitten einen qualvollen Tod. Tausende Menschen litten ihr Leben lang an der Verstrahlung.

Wir MÜTTER GEGEN ATOMKRAFT sind heute hier um zu gedenken.

Wir sind aber auch und vor allem hier, weil wir auf die gefährlichen Verbindungen hinweisen wollen zwischen Atombomben und Atommeilern: Länder, die Atomkraftwerke betreiben, sind in der Lage, zumindest (sogenannte) schmutzige Bomben zu bauen. Das sind Bomben, die mit radioaktiven Materialien versetzt sind. Im Falle einer Explosion können sie große Landstriche radioaktiv verseuchen. Länder, die Atom-Forschungsreaktoren mit hochangereichertem Uran (HEU) betreiben, sind in der Lage, eigene Atomwaffen zu produzieren. Je nach Bau-Konzept reichen 10 - 20 kg HEU für einen atomaren Sprengkörper aus.
Die Atombombe, die auf Hiroshima fiel, hatte eine HEU-Design. Der Atomsprengsatz, den Indien 1974 zündete enthielt hochangereichertes, atomwaffenfähiges Uran HEU aus einem Forschungsreaktor. In den 70er Jahren wurden in Südafrika Atomwaffen konstruiert, die mit hochangereichertem, atomwaffenfähigem Uran HEU ausgelegt waren.
Das Atomwaffenprogramm Israels rankt sich um den israelischen Forschungsreaktor Dimona.
Das Atomwaffenprogramm Pakistans stützt sich auf HEU, entsprungen aus einem Atomforschungsreaktorprogramm.

Es gibt seit 1978 intensive internationale Bemühungen, den internationalen Handel mit HEU zu unterbinden (durch das sog. RERTR-Programm).

Jedoch:
Die Bayer. Staatsregierung und die Technische Universität München durchbrechen nun diese internationale Vereinbarung mit dem neuen Garchinger Atomforschungsreaktor FRM II.
Erstmalig in der westlichen Welt wird wieder ein n e u e r Atomforschungsreaktor in Betrieb genommen, der mit atomwaffenfähigem, hochangereichertem Uran HEU betrieben wird.
Dies ist ein Affront gegen all diejenigen Länder, die sich an die Vereinbarung gehalten haben, kein HEU mehr zu verwenden.
Mit anderen Worten:
Deutschland und vor allem die Bayer. Staatsregierung ist dafür verantwortlich, dass dieses atombombenfähige Material weiterhin gehandelt und damit weiterverbreitet wird.

Und außerdem:
Bei der Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke entsteht abgereichertes Uran. Dieses Material, auch Depleted Uranium oder DU genannt, wird ebenfalls in Waffen verwendet.
Das giftige und strahlende Uran wird in den Kampfgebieten großflächig verteilt. So wurden weite Gebiete in Bosnien, dem Kosovo und dem Irak radioaktiv verseucht.

Und schließlich die Atomkraftwerke selbst:
Neunzehn Atomkraftwerke haben wir in Deutschland.
Ein Angriff auf sie macht sie zu Atombomben im eigenen Land.
Und es gibt heute - in Zeiten des Terrors - niemanden mehr, der einen solchen Angriff ausschließen kann. Die Trennung von ziviler und militärischer Nutzung der Atomkraft ist eine tödliche Täuschung!

Der ehemalige amerikanische Präsident Eisenhower warb für die sog. "friedliche Nutzung" der Atomenergie mit dem Slogan "atoms for peace", Atome für den Frieden. Aber seit langem wissen wir: Die Atomtechnologie hat keine positive Seite!!!

Deshalb lautet unsere Forderung, gerade heute am Gedenktag von Hiroshima: Die ganze Atomtechnologie muss beendet werden. Alle Atomwaffen müssen geächtet werden. Alle Atomkraftwerke und Atomforschungsreaktoren müssen stillgelegt werden!

Wir MÜTTER GEGEN ATOMKRAFT setzen uns auch in Zukunft dafür ein!